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Action Cams: Helm auf, Film ab

Sportive Hobbyfilmer, die selbst beim Schnorcheln stets noch eine Hand frei haben, um die Kamera zu bedienen, benutzen Camcorder, die sich vor Wassereinbruch und Staub schützen, ansonsten aber auf ziemlich konventionelle Art funktionieren. Doch was machen Sportsfreunde, wenn sie beide Hände am Fahrradlenker halten oder auf dem Skateboard ihre ganze Konzentration der Balance widmen müssen? Sie schnallen sich eine Action Cam an den Helm und überlassen die Aufnahme sich selbst: Die sportliche Dynamik ist der Regisseur. Wir haben uns zwei dieser Utensilien näher angeschaut: das Modell Drift Ghost HD 1080p und die Evo Cam Sports 1080 Pro. In beiden Fällen signalisiert schon der Name, dass die Videos später in HD-Auflösung mit 1080 Zeilen auf den Bildschirm kommen, und zwar im Vollbildmodus mit 30 Einzelbildern je Sekunde. Geringere Auslösungen bieten die Kameras ebenfalls an, dann sogar mit höheren Einzelbildraten. Als Speichermedien dienen beiden Modellen Micro-SD-Karten. Ansonsten aber unterscheiden sich die Gerätekonzepte deutlich.

Das Modell Ghost von Drift, Preis um 350 Euro, geriet deutlich korpulenter und mit 170 Gramm doch schon so gewichtig, dass es am Helm sorgfältig angeklebt oder, noch besser, ordentlich festgezurrt werden muss; der Hersteller liefert dazu verschiedene Adapter. Die Größe der Kamera erklärt sich durch ihre Ausstattung: Sie hat ein veritables Farbdisplay, das auf Wunsch auch ein übersichtlich gestaltetes Einstellmenü auf die Bildfläche ruft. Dort kann man auch, eine Seltenheit unter den Action Cams, den Aufnahmewinkel festlegen: 170, 127 und 90 Grad stehen zur Wahl – als elektronischer Ersatz für eine echte Zoomfunktion. Einzelfotos schießt die Kamera ebenfalls. Auslösungen bis zu 11 Megapixel geben die Datenblätter an. Besonders originell: Das Objektiv lässt sich um 300 Grad drehen, für alle sportlichen Lebenslagen eben. Zur Wiedergabe der fertigen Clips hat die Ghost sogar einen winzigen Lautsprecher an Bord.

Wasserfest ist die Action Cam bis zu Tauchtiefen von drei Meter; mehr geben die Dichtungen der angeschraubten Heckkappe nicht her. Besonders komfortabel: Die Ghost lässt sich fernsteuern. So gehört eine flache Funkfernbedienung mit großen Tasten zum Lieferumfang, die man wie eine Uhr an einem passenden Armband trägt. Sie startet und stoppt die Aufnahme. Noch eleganter: Eine App fürs iPhone oder für ein Android-Smartphone steuert die Ghost über eine W-Lan-Direktverbindung. Der Smartphone-Bildschirm wird somit zum Sucher oder zum Wiedergabemonitor, auch die Einstellmenüs sind über die App erreichbar.

Ein viel kleineres Kaliber ist die Evo 1080 Pro (Preis um 200 Euro). Mit einem Federgewicht von 60 Gramm und der Länge eines Mittelfingers macht sie der Action-Gattung alle Ehre: Die Evo lässt sich sogar risikolos an einem Brillengestell montieren. Dazu liefert der Hersteller etliche Adapter, Klettbänder und Halterungen, die auch die Montage am Fahrradlenker ermöglichen. Für einen Monitor bietet das Mini-Gehäuse der Evo keinen Platz, stattdessen gibt es einen Laserpointer, der sich zu Beginn jeder Aufnahme einschaltet und markiert, in welche Richtung das Kameraauge blickt. Ein paar Basis-Parameter wie die Lichtempfindlichkeit oder die Tonabschaltung lassen sich – ziemlich umständlich – über eine USB-Verbindung am PC einstellen. Ansonsten beschränkt sich die Bedienung auf einen Tastendruck zum Starten oder Beenden der Aufnahme. Eine spezielle Schraubkappe dichtet das Gerät für Tauchtiefen bis zu zehn Meter ab, die deckt aber gleichzeitig auch das Mikrofon zu.

Die Videos der beiden Sportlichen entfalten ihren Reiz durch das Tempo des Geschehens und die stets originelle Aufnahmeperspektive. Zwei Dinge muss man ihnen nachsehen: den Mono-Ton und die leichte Krümmung gerader Linien im Motiv, bedingt durch die Weitwinkeloptik. Ansonsten filmen beide mit akzeptabler Detailfreude, allerdings erreichen sie nicht die Feinzeichnung und den Kontrast gewöhnlicher Camcorder, das geben ihre winzigen Objektive und Sensoren einfach nicht her. Aber für subtile Heimkinogenüsse sind sie ja auch gar nicht gedacht.

 

Original-Artikel:

http://www.faz.net/

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