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Google Glass: Foto per Augenzwinkern

Eigentlich funktioniert Googles Datenbrille Glass über Sprachsteuerung. Doch ein Entwickler hat entdeckt, dass es auch anders geht. Er hat eine App programmiert, die auf ein Augenzwinkern reagiert – und dann ein Foto schießt. Das Programm veröffentlichte Mike DiGiovanni auf der Plattform Github, wo Entwickler ihre Programmcodes austauschen.

Offenbar ist eine solche Steuerung über Augenbewegungen in Google Glass vorgesehen. “Ich habe mindestens eine Stelle im Programmcode von Glass entdeckt, wo kontrolliert wird, ob das Augenzwinkern aktiviert ist”, schreibt DiGiovanni. Dem Technologieblog “The Verge” sagte er, dass er auch Hinweise gefunden habe, dass die Datenbrille doppeltes Augenzwinkern oder Blinzeln registriere. In einem Video auf der Seite zeigt er, wie das Foto per Augenzwinkern funktioniert. Passenderweise hat er seine App “Winky” genannt, nach dem Englischen “wink” für Augenzwinkern.

Der Fotoauslöser der Datenbrille via Sprachsteuerung oder einem Antippen des seitlichen Knopfes schaffe einen Bruch, sagte DiGiovanni “The Verge”. Eine Steuerung ohne Spracheingabe “verändert die Dinge wirklich”.

Kritiker dürfte das umso mehr auf den Plan rufen. Schon jetzt hat Google Glass eine Diskussion um Datenschutz und Privatsphäre ausgelöst. Ein Café in Seattle verbot die Brillen, andere fragen sich, ob sie nun jederzeit ohne ihr Wissen fotografiert und gefilmt werden könnten.

“Man sieht einfach dämlich aus”

Der Technologie-Experte Robert Scoble hält solche Ängste für übertrieben. Er ist einer der ersten Testnutzer von Google Glass und trägt die Brille ständig. Google sei sich der Diskussion um Privatsphäre bewusst, meint er, und habe das Produkt entsprechend designt. Das Problem unbemerkter Fotos sieht er nicht: Es leuchte schließlich ein kleines Lämpchen an der Brille auf, wenn damit ein Foto oder Video geschossen werde. (Ob jedes Gegenüber sich dessen bewusst ist, ist eine andere Frage.) Außerdem seien solche Bilder mit der Handykamera doch viel einfacher zu machen, und hätten auch noch eine bessere Auflösung.

Vor allem würden sich die Ängste spätestens dann erledigen, wenn mehr Menschen mit den Datenbrillen herumliefen, meint Scoble. “Diese Sachen machen die Leute nicht halb so verrückt, nachdem sie die Brille in der Hand hatten wie die Privatsphären-Verfechter reagieren, bevor sie sie überhaupt ausprobiert haben.”

Doch wird das jemand wollen? fragt das Technologie-Magazin “Wired”. Die Brillen sähen einfach zu seltsam aus, meint Autor Marcus Wohlsen. Er vergleicht die Datenbrillen mit Segways, den Rollern, die man stehend durch die eigene Gewichtsverlagerung steuert und die vor allem bei Touristengruppen Verwendung finden. “Google Glass vergisst, dass man einfach dämlich aussieht, wenn man die ganze Zeit mit einer Kamera im Gesicht herumläuft.”

Google Glass ist übrigens nicht die einzige Technologie, die eine konstante Aufzeichnung der eigenen Umwelt ermöglicht. Es gibt bereits kleine Kameras, die an die Kleidung geklammert werden können und alle paar Sekunden ein Foto schießen.

 

 

Zuerst veröffentlicht auf:

http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/google-glass-foto-per-augenzwinkern-a-897874.html

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